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Das letzte Twenty-Jahr ist angebrochen und wie bei jedem Ende von etwas wird man wehmütig, vor allem wenn es um das Alter geht! So sind die Zwanziger ja die erste Dekade, die man bewusst erlebt, Entscheidungen trifft und lernt, was Konsequenzen sind. Wahrscheinlich macht man in kaum einer anderen Dekade am Anfang so viel, was man am Ende nie so machen würde – eine starke Persönlichkeitsentwicklung geht hier vor sich.

So blicke ich zurück und denke mir: Mädchen, Mädchen, betrunken in der Tram einschlafen ist echt nicht cool und über einen Zaun klettern, ist keine raffinierte Abkürzung! Ebenso war das Outfit für das erste Vorstellungsgespräch eindeutig zu H&Mig und der Kollege zu verheiratet! Leider kam auch sehr spät erst die Erkenntnis, dass, wenn ein Mann wirklich wirklich wirklich an dir interessiert ist, sich schon bei dir melden wird und man nicht zuuuufällig bei den gleichen Events auftauchen und künstlich-herzlich lachen sollte. Verwundert stellte ich auch in den Mitt-Zwanzigern fest, dass ein Arbeitstag gar nicht sooo effektiv ist, wenn man bis 5 Uhr morgens feiern war und dass mir komischerweise ganz schön übel ist, wenn ich mehr als zwei Alkoholika durcheinander trinke. Was habe ich mich mit 23 über mein erstes Gehalt gefreut und gebrüllt Ab geht die Party und die Party geht ab! um schon bald festzustellen, dass ich lieber am Wochenende einen ruhigen machen möchte, als drei Tage vor mich hin zu katern!

Gerade erst erholt von diesen Fehltritten und daraus gelernt, steht nun schon die nächste Anfangsphase einer neuen Dekade vor mir und ich denke mir: Neeeeiiiinnnn, Stopp, Stopp, ich will noch nicht, ich möchte noch eine Weile hier so mit 29 stehen bleiben! Denn ich bin in mich gegangen und finde 29 eigentlich ziemlich cool. Vor 10 Jahren mussten wir in unser Abi-Buch einschreiben, wie wir uns in 10 Jahren sehen. Völlig bekloppt, dachte ich mir, wees ick doch nisch! Also schrieb ich realistisch Glücklich und mit Kohle. Und wenn ich mal so auf meine Haben-Seite des Lebens schaue, dann kann ich sehr zufrieden sein. Ich kann nun ernten, was ich akademisch und beruflich gesät habe, kann reuelos oder verzeihend auf meine peinlichen Fehltritte zurück schauen und sagen Jaaaa, da war ich halt 26, süß, wa! und meine alten wie auch neuen Wegbegleiter sortieren und verwöhnen. Vor allem kann ich mich nun erstmal innerlich zurück lehnen und schauen was da so feines auf mich zu kommt.

Am Ende der Grübelei kam ich zu dem simplen Schluss: Ich kann es eh nicht ändern – years go by! Ich kann allerdings dafür Sorge tragen, dass ich auf all meine Jahre zufrieden zurück blicken kann, das liegt in meiner Hand. Denn ich will nicht zurück blicken und denken Ach Mensch, ich wünschte, ich hätte …! Ich will wie meine Oma im hohen Alter sagen können Ich hatte ein schönes Leben. Danke und jetzt ist gut!

Also werde ich das letzte Twenty-Jahr noch etwas rest-spitzbübisch frei nach dem Motto Lieber genießen und bereuen als bereuen nie genossen zu haben! erleben, damit sich mein späteres Oma-Ich lachend auf die Schenkel klopft und sagt Mensch, habe ich schön gelebt!

Also irgendwie verstehe ich das nicht: mit dem Alter beklagen sich alle, dass man sich ja viel zu selten sieht und man ewig nichts mehr zusammen gemacht hat – und das bleibt dann auch meist so. Aber warum? Werden wir mit dem Alter fauler, igeln uns ein und gestalten das Nest? Wieso gewinnt dies mehr und mehr mit dem Alter an Priorität und das seltene Essen, die Party mit Freunden „beginnt hoffentlich nicht so spät“? Und warum nimmt der Kontakt immer mehr ab?

Gut, okay, Freunde finden Partner, bekommen Kinder, haben Jobs – all das gab es nicht wirklich bis ca. Mitte Zwanzig. Der Impuls, einfach einer Freundin zu schreiben, wie es ihr geht oder spontan mit ´nem Kumpel auf ´ner Bank ´n Bierchen zu trinken, war noch da! Und wo ist er nun? Wieso kümmern wir uns nicht mehr mit zunehmendem Alter um unsere Freunde mit kleinen Aufmerksamkeiten und Nachrichten? Da sind wir schon auf so vielen Kanälen vernetzt und lassen diese doch einstauben.

Stadtviertelübergreifende Freundschaften schlafen gänzlich ein, man wird zur Kiez-Potatoe. Man trifft sich zum Freundeabend und wenn nicht gleich ein neuer Termin fixiert wird, würde das nächste Treffen wahrscheinlich gänzlich ausfallen. Man plaudert über den aktuellen Stand des Lebens: Partner, Kind, Beruf und schon gerät das Gespräch ins Stocken und man erfreut sich nur noch an Geschichten aus der Vergangenheit, erlebt aber keine neuen. Alltagsmeilensteine des anderen hat man nicht mehr auf den Schirm, wie bspw. „Du sag mal, wie war eigentlich dein Zahnarzttermin?“ oder „Haste die Hose eigentlich noch in deiner Größe bekommen?“ Liegt es an der Großstadt, dass jeder nur noch seins macht und am Leben des anderen nicht (mehr) interessiert ist, weil man ja selbst genug Stress hat und auf der ständigen Suche nach TimeOut statt BurnOut ist? Oder ist es das Alter?

So oder so ist Freundschaft, wie eine Beziehung, Arbeit und sollte von beiden Seiten gepflegt werden. Das Geheimnis liegt hier im Kleinen. Ein kleines „Hey, denk an dich, Keule!“ in Form von einer Karte (Kosten ca. 1€) oder ein Smiley auf die Pinnwand gepostet (Kosten ca. 0€) oder eine SMS/ WhatsApp mit einem Insider-Joke „Military“ (Kosten ca. 0€) reicht schon völlig aus, um den anderen eine Freude zu machen.

Ebenso hat man bestimmt immer eine halbe Stunde Zeit, ein Eis zu essen und zu schnacken. Aber auch reden muss man nicht immer: Zum Kaffee treffen, Leute gucken und wieder gehen, ist ein wunderbarer Kurzurlaub für das Gehirn. Oder auch Kino, Theater und Picknick o.ä. sind wunderbare gemeinsame Erlebnisse – doch keiner fragt, als gäbe es in der Großstadt kein Angebot. Selber treibt man dann an. Immer wieder, doch mit der Zeit wird einem das auch zu anstrengend und diese Einseitigkeit ist traurig, die Freundschaft versiegt leise bis zur Einsamkeit.

Also liebe Freunde, kümmert euch bitte um einander – IHR seid das Wichtigste, um den Alltag und den Stress im Leben zu überstehen. Und keine Angst vor der bösen Zeit, auch wenn man sich lange nicht gemeldet hat, so freut sich der andere ganz bestimmt.

Das Leben ist zu kurz um lange zu schmollen!

Montag hat die Welt noch kein Gesicht,
Und kein Mensch kann ihr ins Auge sehen.
Montag heißt: Schon wieder früh aufstehen,
Training für das Wochen-Schwergewicht.

Den Beat vom Sonntag noch im Ohr,
Denkt man ungern an Bürogehälter.
Montag hat ein kleiner Angestellter
Mittags Krach und abends gar nichts vor.

Montags gähnt sogar das Portemonnaie,
Und es reicht noch grad für die Kantine.
Spät nach Ladenschluß geht man mit Duldermiene
Resigniert vorbei am Stammcafé.

Montag ist das Stiefkind des Kalenders,
Düsterer Woche grauer Korridor,
Höchster Mißklang in der Tage Chor,
Strengster Ruhetag des Freudespenders.

Von Mascha Kaléko 1930 überarbeitet vom KommentarTor 2011

ende20 01Irgendein schrecklicher Virus geht um, der alle um die dreißig dazu bringt, sich gegenseitig Ringe über die Finger zu stülpen und aufs Land zu ziehen, mit dem einzigen Zweck, ein Kind nach dem anderen aus dicken, aber glücklichen Müttern purzeln zu lassen. Die Einladungen der Hochzeiten ersetzten plötzlich die zu den Partys. Die „Ich bin endlich da“-Babykarten häufen sich im Briefkasten und man kommt nicht umhin sich zu fragen, wann es einen selbst erwischt.

Allein dieses Jahr ereilten mich sechs „Wir-sind-schwanger“-Nachrichten. SECHS. Bei der ersten entgleiste mir das Gesicht, bei der zweiten bis vierten war ich schon halb in der Übung mit „Heyyyy, wooowwww, maaaan, herzlichen Glückwunsch!“ Doch bei den letzten frohen Neuigkeiten hob ich nur gelangweilt mein Wodkaglas und rief in die erwartungsvoll lächelnden Gesichter: „Na dann: Prost!“

Ich frage mich, warum die Weltgesundheitsorganisation nichts gegen so einen Virus unternimmt. Wenigstens bin ich dagegen immun. Denn ich will weder einen Ring noch Kinder und auch kein Haus mit Kiesauffahrt, von dem man „höchstens eine Viertelstunde in die Stadt“ braucht. Ich habe ohnehin nie verstanden, warum man nicht in der Stadt bleibt, wenn es einem so wichtig ist, dass man „höchstens eine Viertelstunde“ dorthin braucht.

„Circa Ende zwanzig muss es knirschen“, sagt die Gesellschaft und das Umfeld, kurz nachdem es geschwängert und verheiratet ist. Spätestens dann soll man stolzer Besitzer einer Kiesauffahrt mit dem entsprechenden Haus dahinter sein. Ich finde nicht, dass mit Ende zwanzig irgendwas knirschen sollte, es sollte eher was rieseln, und zwar der feine Sand eines schönen Atlantikstrandes, an den man sich gegen Nachmittag vor seinem schönen Ferienhaus begibt. Mit einem ansehnlichen Partner, aus dem nicht ständig verpflichtende Pläne purzeln.

Ja, ich habe Angst davor, mich früher oder später fügsam einzureihen in den bereihenhausten Stillstand provinzieller Zufriedenheit, Elternteil eines leicht übergewichtigen Sohnes zu werden und schließlich dort zu sterben, wo ich geboren wurde. Ich habe Angst davor, das Kind falsch zu erziehen, das Haus fertig behöffnert zu haben, vom Partner gelangweilt zu sein und meine eigenen Endzwanziger Hoffnungen und Erwartungen gleichgültig ignoriert zu haben. Ich habe Angst davor, dass ich nur einen großen Jahresurlaub habe, auf den ich stupide hinschuffte und die Highlights dorthin sind Möbelhauseröffnungen mit Gratis-Sekt. Die Klamotten sind nun nicht mehr „Wahnsinn“ und „sexy“, sondern nur noch softshellig praktisch und der rosa Blumenaufdruck ist „echt frech“.

Und so ist es kein Wunder, dass eine Frage immer öfter auftaucht. Sie lauert mir bei der Arbeit auf, sie überrascht mich bei einer Radtour, ja manchmal reißt sie mich sogar aus dem Schlaf und ich betrachte meinen schlummernden Partner und frage mich:

Kann es das schon gewesen sein?



Inspiriert und teilw. geliehen von Tommy Jauds „Resturlaub“

Das Bahnfahren ist eigentlich ein nostalgischer, ruhiger, stressfreier Reisestil.
DOCH Sonntagabend wird der Benimmbogen für friedliche Koexistenz deutlich überspannt: brüllende Kleinkinder, gestresste Eltern und übertriebene Überladung lässt die Stirnader gefährlich zucken. Die Bahn – Die wahre Charakterschule des Menschens.
Hier ein Geduldsproben-Selbsttest:
Was soll man sagen, wenn im Hochsommer ein schwitzender, schwabbeliger und breit grinsender Herr fragt, ob neben Ihnen noch der Platz frei ist? Etwa „Oooaaaa ne, hau ab man!“?
Machen Sie nicht! Gequält nicken Sie freundlich. Eingekeilt zwischen dem Fenster und einer dicken warmen Masse schielen Sie auf die Uhr und erkennen, dass Sie ja immerhin schon 10 Minuten von der vier Stundenfahrt hinter sich haben. Mit einer bemerkenswerten, krampfhaft haltenden, engelsgleichen inneren Ruhe überstehen Sie die ersten zwei Stunden. Bis eine Businessfrau mit wichtiger und eindringlicher Stimme Sie aus dem 5-Minuten-Schlaf reißt und „Das ist aber mein Platz!“ brüllt. Sie zwängen sich mit Ihren viereinhalb Taschen an den Massen vorbei und stehen mit heruntergerutschten Henkeln nörgelnd im Durchgang. Test NICHT bestanden.
Doch spätestens mit dem ersten Schritt auf dem Gleis, den Wind in den Haaren, die Sonnenbrille auf der Nase ist es wieder da – das 3-Wetter-taft-Gefühl. Sie sind wieder ganz ruhig – und die Frisur hält.

 


Ich lehne mich zurück und meine Haare flattern mir ins Gesicht. Die Natur ist satt grün und das Cabrio knallrot.
Mit 80km/h düsen wir durch die Hügellandschaft, Puccinis Arien ohrenbetäubend laut.
Die Sonne glitzert durch die Bäume, ein Eichhörnchen fällt vom Ast und der Himmel ist azurblau.
Wolken kommen auf – sie formen sich zu Fuchur, eine schreiende Katze, ein Smiley mit verzerrtem Gesicht, eine Tänzerin, Voldemort und Großbritannien …
Wann hast du das letzte Mal die Wolken beobachtet?


Die ersten warmen Tage im März.
Die Räder der Drahtesel und Skateboards werden geölt, die Sonnenbrillen geputzt, sich an helle Klamotten wieder ran getraut und der Winterspeck in Angriff oder zumindest fest vorgenommen.
Wo eben noch bittere Mienen in den Straßen und Bahnen waren, da herrscht nun freundliches Grüßen hoch zu Rade und Schlawenzeln auf dem Markt.
Die Sonne wärmt die ersten Endorphine auf und ein Schmunzeln geht durch die Stadt. Das kühle Pils glitzert, die Anzahl der Horizontalen erhöht sich stetig in den Parks, Grillgeruch umsäuselt die Nase und das genießerische Raunen läutet die schönste Zeit des Jahres ein:
FRÜHLINGSERWACHEN in den Bäumen, Herzen und Lächeln!
Und die, die einst in der Kälte jammerten, tönen nun lässig, dass der Winter gar nicht so hart gewesen sei, als hätte es den Frost nie gegeben…

 

Nur weil der Berliner Bär seinen Winterschlaf hält, heißt das noch lange nicht, dass wir uns dazu mauscheln müssen.
Im Gegenteil – wir sollten uns strecken und recken, die müden Glieder dehnen und uns bewegen! So sind wir fit und foxi für die Partys der kalten Jahreszeit. Denn heute heißt es nicht Ausgehen und Rumstehen sondern Hingehen und Durchdrehen.
Also Grund genug um jetzt schon die passenden Moves zu üben und zu festigen. Die Anleitung dazu findet ihr in dem Video der Schweden-Schnitten Leroy und Joachim … seid gespannt, was sich hinter den Stepps „Small Ball“, „PingPong“ oder „Bicycle Pump“ verbirgt!

Und nicht vergessen: Üben, Üben, Üben!

Einsamer Abend

Die Stille sickert leis durch Türritzen.
Durch meine Stube kriecht die Einsamkeit
Und bleibt dann stumm auf kahlen Bänken sitzen.
Der Abend lässt sich heute sehr viel Zeit.

Tief schweigt der Raum. Nur müßige Dielen knarren.
Die Ecken sind mit Schatten angefüllt.
Ich bin allein mit meinem Spiegelbild,
Man soll im Dunkeln nicht in Spiegel starren …

Da draußen hält der Regen Monolog
Und spielt mit dem Applaus der Fensterscheiben.
Man blättert gelangweilt im Katalog.
Wie kann man in der Großstadt trotzdem einsam bleiben?!

Von Mascha Kaléko 1930
überarbeitet vom KommentarTor 2012

Wie alle guten Ideen, begann auch diese mit ein / zwei Bierchen: „Ey, da müssen wir mal was zusammen machen!“

Gesagt, getan.

Die Gebrüder Popp &Popp, die – im wahrsten Sinne des Wortes – seit Kindesbein zusammen spielen und musizieren rufen eine Kolabo feat. Das KommentarTor ins Leben und heraus kam der Gute-Laune-Track:

Das Duo aus Martin und Johannes Popp entdeckte früh die Liebe, Leidenschaft und Energie zur Kombi aus Beat und Trompete und bringt seit Kurzem ihren sehr eigenen und individuellen Stil auch auf der Bühne zum Besten.

Stell dir nun also vor, du bist in einem Clubraum. Menschen um dich rum, Stille. Dann tönt der erste Takt aus den Boxen und in perfekten Abständen gesellen sich neue Beats hinzu, bis die Trompete den Track krönt und bei jedem Ton schießt dir ein Schlagwort in den Kopf:

BASS – LAUT – PARTY – TOP – FUN – ACTION – MEINS – YEAH

So strahlt das Publikum die beiden Klausdorfer Musiker fasziniert an, die mit wirbelnden Armen und Köpfen ihren Mix aus Minimal Techno und Tech House präsentieren UND anstecken.

Kein Wunder also, dass Popp &Popp der Masse den Atem raubt und es einfach physisch unmöglich ist bei diesen Popp&Popptainment still stehen zu bleiben!

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